Pensionsberechnung ohne Sicherheitsnetz

Pensionsberechnung ohne Sicherheitsnetz

Ist Ihnen bewusst, dass Sie mit Ihren Pensionsversicherungsbeiträgen heute eine Pension in einer Höhe finanzieren, auf die Sie selbst später einmal nicht im Entferntesten Anspruch haben werden?

Man zahlt für etwas, was man später selbst nie bekommen kann. Unser Pensionssystem basiert auf einem Umlageverfahren. Ihre Beiträge werden sofort an die jetzigen Pensionisten ausbezahlt und Sie müssen darauf vertrauen, dass sich auch später Zahler finden, welche Ihre Pensionen durch ihre Beiträge finanzieren. Weil man aber schon sehr genau abschätzen kann, dass sich das in Zukunft nicht ausgeht, muss man die künftigen Pensionen mittels Reformen ständig kürzen. Man wählt dazu allerdings Wege, welche nur schwer durchschaut werden können. Daher gibt es keine großen Proteste. Die Pensionsreform 2003/2004 kürzte den  Steigerungsbetrag. Das bedeutete eine Kürzung aller Pensionen um 11%! Nimmt man noch die Ausdehnung des Durchrechnungszeitraumes dazu, wird es dazu kommen, dass künftige Pensionisten um bis zu 50% weniger Pension bekommen als heutige Rentner – auch wenn sie gleich lange arbeiten gehen, gleich viel einzahlen und mit gleichem Alter in Pension gehen. Nach dieser Pensionsreform war kein großer Unmut aus der Bevölkerung zu verspüren.   Früher waren die werdenden Pensionisten (teilweise) durch ein Sicherheitsnetz geschützt – das ist nun vorbei! Viel zu komplex ist inzwischen das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz (ASVG) geworden, welches öfter novelliert wurde. Kein normaler Mensch durchschaut dieses Regelwerk und kennt sich bei den Fachausdrücken aus.   Regierung hatte vor sich selber Angst Was machte die Regierung: Sie zog einen Verlustdeckel von 10% ein. Das heißt, zuerst beschließt man Maßnahmen, welche zu großen Verlusten führen, aufgrund von öffentlichem Druck  nimmt man aber die eigenen Beschlüsse wieder größtenteils zurück. Nachdem die Kritik aber nicht aufhörte, wurde der Verlustdeckel 2005 auf 5% zurückgenommen. Allerdings mit der Einschränkung, dass er ab nun jährlich um 0,25% ansteigt, bis er 2024 wieder 10% beträgt.    Experten schüttelten die Köpfe Experten wiesen darauf hin, dass bis 2024 keine weiteren Reformen mehr möglich sein werden, da alle Maßnahmen am Verlustdeckel scheitern würden. Es herrschte bald Einigkeit darüber, dass diese Verlustdeckelung nicht lange halten würde. Außerdem brachte die Pensionsreform 2005 mit der Einführung des APG für alle, welche nach dem 1.1.1955 geboren wurden, ein weiteres Kuriosum mit sich: Für alle Personen, welche schon vor dem 1.1.2005 Versicherungszeiten erworben hatten, musste bei der Pensionsberechnung eine sogenannte „Parallelrechnung“ durchgeführt werden. Die Pension wird nach dem neuen Recht (APG) und dem alten Recht (ASVG) berechnet, wobei in die ASVG-Berechnung der Verlustdeckel  einbezogen werden muss. Die tatsächliche Pension setzt sich dann, je nach Aktivzeit vor 2005 und nach 2005 aus den beiden Werten zusammen. Rechenbeispiel: ASVG-Pension sei € 1.600 und ASVG-Zeit 40%, APG-Pension sei € 1.400 und APG-Zeit 60%, dann beträgt die Pension 40% von € 1.600 und 60% von € 1.400 à tatsächlich € 1.480  Je länger man also im APG-Recht arbeitet, desto weniger wirkt sich die Verlustdeckelung aus. Für all jene, die nur mehr im APG arbeiten (Versicherungszeiten ab 2005), gab es ja von Beginn weg keine Verlustbegrenzung.    Mit dem Sparpaket ist aber alles anders Durch die Banken/Schuldenkrise ist nun die Regierung gezwungen worden, zusätzlich zu sparen. Die größte Einzelposition im Budget sind Pensionen. In diesem Bereich wurde am meisten gespart. Und wieder ist es der breiten Bevölkerung nicht bewusst geworden! Fast niemand hat sich seit 2005 regelmäßig seine Pensionskontoauszüge besorgt. Wenn doch, hat man sie als unverstanden weggeschissen oder im besten Fall abgelegt. Daher hat sich auch niemand darüber aufgeregt, dass mit Jahresende 2013 die bisherige Gesamtgutschrift verschwindet und durch eine neue Erstgutschrift ersetzt wird.
Selbst wenn man das wusste, konnte man die Beschreibung, wie diese neue Erstgutschrift zustande kommt, kaum verstehen.
Da diese neue Erstgutschrift alle Ansprüche der Vergangenheit bis 31.12.2013 abdecken wird, entfällt künftig natürlich auch die Parallelrechnung. Damit entfällt auch die Wirkung des Verlustdeckels, die den freien Fall der künftigen Pensionsansprüche abbremste. 
  Hilfe, das Netz ist weg! Spätestes alle Personen, die nach dem 1. Jänner 2014 in Pension gehen, tun das ohne Sicherheitsnetz und werden die volle Wirkung der vergangenen Reformen verspüren.

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