Die Finanzierbarkeit des Pensionssystems

Die Finanzierbarkeit des Pensionssystems

In den vorigen Kapiteln haben wir aufgezeigt, dass aufgrund vieler Einflüsse das Gleichgewicht im so genannten „Generationenvertrag“ ins Wanken geraten ist.

Herr Univ. Doz. Dr. Erich Neuwirth, vom Institut für Statistik, OR und Computerverfahren der Universität Wien hat ein Modell entwickelt. Mit dem kann man die wichtigste Kennzahl - die Belastungsquote - unter verschiedenen Annahmen berechnen. Das Ergebnis zeigt die Finanzierbarkeit eines Pensionssystems.
Die nachfolgende Grafik der Statistik AUSTRIA zeigt, dass allein von 2001 bis zum Jahr 2021 diese Quote von 45% (auf 100 Erwerbstätige kommen 45 Pensionisten) auf knapp 60% und bis 2041 auf über 82% steigen wird.


Eines ist für mich an den politischen Debatten besonders interessant:
Es wird überall diskutiert, dass die Finanzierung der Pflege und des Gesundheitssystem derzeit ein großes Problem ist.
Nicht zuletzt ist die letzte Regierung daran gescheitert, ob und um wie viel man das Pflegegeld erhöhen soll bzw. ob die Förderung für die 24 Stunden Pflege ausgebaut werden kann. Man hat auch keine Lösung zur Gesundung der Krankenkassen gefunden, welche derzeit zusammengerechnet tief in den roten Zahlen stecken und bald ein Fall für den Konkursrichter sein könnten. Dabei kommt auf diese Systeme die wahre Belastung erst zu:
Nach Schätzungen, wird sich die Zahl der Aktiven (also der Beitragszahler) von derzeit 5,1 Mio. Menschen auf rund 4,750 Mio. bis zum Jahr 2050 reduzieren, während im selben Zeitraum die Zahl der Pensionisten von derzeit 1,8 Mio. Menschen auf rund 3,011 Mio. bis zum Jahr 2050 erhöhen wird.
Allein die Zahl der über 80 jährigen wird sich im selben Zeitraum mehr als verdreifachen:

Damit wird, laut einer Studie von Prof. Giesinger, eine weit höhere Anzahl an Menschen ein Alter erreichen, in dem die Wahrscheinlichkeit, an Altersdemenz oder Alzheimer zu erkranken, rund 35% hoch ist.
Das bedeutet aber, dass die Zahl der Pflegefälle enorm zunehmen wird. Man rechnet mit einem demographisch bedingten Anstieg der Pflegegeld-Bezieher von derzeit etwas über 300.000 auf 750.000 bis 800.000. Dass ältere Menschen - besonders die über 80 Jährigen - auch im verstärkten Ausmaß Medikamente brauchen, wird wohl niemand bestreiten.
Schon heute versursachen die über 60 Jährigen fast 50% der Kosten für medizinische Versorgung.
Und das, obwohl ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung nur ca. 19% beträgt.
Doch wenn man schon mit der heutigen Bevölkerungsstruktur Probleme bei der Finanzierung hat, wie wird dann erst in einigen Jahren sein…?
Sehen wir uns an, wie sich die „Bevölkerungspyramide“ weiter entwickelt:

Die vorhergehenden Grafiken zeigen, dass unser Sozialsystem so knapp nach 2017 „kippt“! Die Beitragszahler von heute (so viele gab es noch nie), werden zu Pensionisten.
Die heutigen Pensionisten werden älter und älter! Die Baby-Boomer wandeln sich von Beitragszahlern zu Rentenempfänger. Nach kommen wesentlich weniger Beitragszahler, denn nun wirkt sich der „Pillenknick“ unbarmherzig aus. Daran kann sich nichts mehr ändern:
Denn alle Beteiligten leben schon bzw. wurden nicht geboren! Und wer nicht geboren wurde, kann auch keine Kinder zeugen. Das alles ist keine Fiktion, sondern Realität!
Doch lassen Sie uns  zur Überschrift dieses Kapitels kommen.
Das Allgemeine Sozialversicherungsgestz, welches 1955 unter speziellen Bedingungen vom Nationalrat beschlossen wurde, kommt in die Jahre. Verschiedene Entwicklungen bedrohen die langfristige Finanzierbarkeit. Das ständige „Flicken“ hat die Probleme nicht gelöst (sonst hätten wir ja nicht ständig diese Diskussionen) und zu einem radikalen Umbau konnte man sich - vor allen aus politischen Gründen - bis dato nicht durchringen.

Copyright © 2017 Die Vorsorgeexperten Consulting & Marketing GesmbH & Co KG
Mohsgasse 1/Top 2.2, 1030 Wien, GF: Mag. Stefan Kunczier